Die Großdenkerin

KoLa Leipzig eG

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Taucha

Es ist nicht so, als gäbe es in Leipzig noch keine Solawi. Sogar eine Solawi-Genossenschaft gibt es schon – die Rote Beete eG. Genau hier hat auch die 2019 frisch gegründet KoLa Leipzig ihre Wurzeln. Und greift jetzt mutig nach den Sternen: Mit 35 Hektar setzt sie sich flächenmäßig schon mal mit an die Spitze der Solawi-Genossenschaften. 2020 wird das erste Gemüse ausgeliefert. In ein paar Jahren will sie mindestens 2000 Leipziger Haushalte versorgen und damit das Prinzip „Solawi“ für eine breite Masse attraktiv gemacht haben: die Großdenkerin!

01:17 – Wer seid ihr und wo sind wir hier überhaupt?

03:09 – Wer ist sonst noch bei euch im Team dabei? Welche Erfahrungen bringen diese Leute ein?

04:23– Wie seid ihr eigentlich auf die Idee gekommen, Kola Leipzig zu gründen?

07:34 – Mit 35 ha Land könnte Kola Leipzig eine sehr große Solawi werden, ggf. noch größer als das Kartoffelkombinat in München. Woher nehmt ihr die Zuversicht, dass so viele Leute Mitglieder in Eure Initiative werden?

09:14 – Ihr habt euch entschlossen, eine Genossenschaft zu gründen?

10:28 – Habt ihr Kontakt zu anderen Solawi-Genossenschaften aufgenommen und diese z.B um Ratschläge zu fragen?

12:01 – Ihr habt Euch mit 9 Mitgliedern für einen vergleichsweise großen Aufsichtsrat entschieden. Was steckt dahinter?

14:14 – In der Präambel von eurer Genossenschaftssatzung habt ihr zum Start gleich festgelegt welche Werte euch wichtig sind. Welche sind das?

15:57 – Mit wieviel Haushalten wollt bzw. müsst ihr in 2020 starten und was ist die Perspektive? Wie groß soll Kola Leipzig eigentlich werden?

19:10 – Wie macht ihr die Menschen auf euer Projekt aufmerksam?

23:42 – Thema Investitionen: Ihr sprecht von einem “kapitalintensiven Projekt”. Was veranschlagt ihr für den Start und wo kommt das Geld her?

29:08 – Es gibt noch weitere Solawis in Leipzig. Seid ihr da in einem Netzwerk unterwegs und seht ihr ggf. Konfliktpunkte, wenn ihr da als “große” Solawi in diese Szene reinkommt?

36:27 – Ihr seid 2018 gestartet, was war bisher die größte Herausforderung? Was hat vielleicht auch besser geklappt als erwartet?

42:41 – Schwenk zum Gemüse: Was sind eure Pläne für kommendes Jahr? Was baut ihr an? Wie wollt ihr es anbauen? 

47:26 – Wollt ihr alles selber anbauen, oder kauft ihr auch Gemüse zu?

49:50 – Ihr plant eure Ernte ja auch gleich weiterzuverarbeiten, Stichwort “Kooperative Glaswirtschaft”. Was genau steckt dahinter?

52:21 – Thema Bieterrunde: Warum ist die euch so wichtig und was für eine Art “IT-Lösung” plant ihr?

59:37 – Bei einer so großen Solawi ist es vermutlich schwieriger, ein “Wir-Gefühl” zu erzeugen. Was sind eure Pläne die Mitglieder in die Genossenschaft miteinzubeziehen?

1:05:52 – Habt ihr noch ultimative Tipps für Menschen, die sich jetzt nach euren Anregungen Gedanken machen, eine Solawi-Genossenschaft zu gründen?

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören auf unserer Website. Außerdem auch auf Spotify und iTunes oder mit diesem RSS-Feed in jedem beliebigen Podcatcher!

Zusätzliche Infos/Medien/Highlights

Kola Leipzig denkt groß und will mit diesem Betriebskonzept ein Leuchtturmprojekt schaffen.

Hier findet man die individuellen Angaben von sechs (!) Leipziger SoLaWis zu zentralen Merkmalen des Konzepts Solidarische Landwirtschaft:
Grundsätze Leipziger SoLaWis

2018 bekommen die Gärtner*innen der Roten Beete eG ein Angebot, das sie nur schwer ausschlagen können. Die evangelische Kirche in Taucha, nordöstlich von Leipzig, bietet ihnen 35 Hektar Pachtfläche an, bisher konventionell bewirtschaftet. Für „die Basisdemokratin“ Rote Beete ist relativ schnell klar, dass sie in diesem riesigen Ausmaß auf keinen Fall wachsen möchte – aber für Jan-Felix Thon, Rote Beete-Mitgründer und Gärtnermeister und Eva Köhler, ökologische Agraringenieurin und ebenfalls im Gärtner*innen-Kollektiv der Roten Beete aktiv, ist klar: sie müssen diese Chance nutzen! Und beschließen mit ihrer bereits gesammelten Solawi-Erfahrung ein neues, deutlich größeres Genossenschaftsprojekt zu starten: KoLa – das steht für Kooperative Landwirtschaft – Leipzig.

Am Anfang von KoLa stand also keine lange, nervenzehrende Flächensuche wie bei vielen anderen Genossenschaften, sondern das Angebot der verpachtenden Kirche eine ziemlich große Fläche zu übernehmen und diese für die ökologische Landwirtschaft mit Gemüsebau zurückzuerobern. Entsprechend groß planen die Gründer*innen die KoLa-Genossenschaft auch. Ihr Vorteil: Sie sind keine blutigen Anfänger*innen mehr – weder im Bereich Solawi, noch beim Thema Genossenschaft. Einquartiert im Leipziger Social Impact Lab erarbeiten sie mit ihrem Gründungsteam das Betriebskonzept und im September 2019 gründen sie die Genossenschaft. Mit drei Vorständen und einem außergewöhnlich großen, nämlich neun-köpfigen Aufsichtsrat. Der Grund: für so ein großes Projekt, bei dem es auch um viel Geld und hohe Investitionen geht, setzt KoLa auf möglichst breit gefächerte Expertise und gegenseitige Entlastung – denn es gibt mehr als genug zu tun.

Im Mai 2020 sollen die ersten Gemüsekisten in drei Größen zu den Verteilstationen geliefert werden – mindestens 220 Ernteanteile sollen es dann schon sein, Ende des Jahres 2020 will KoLa etwa 460 Mitglieder versorgen, 2021 dann schon 700. Im ersten Jahr wird das Gemüse noch in Kooperation mit einem Partner-Biobauern erzeugt. Ab Pachtbeginn der eigenen Flächen im Herbst 2020 soll Schritt für Schritt der Eigenanbau mit 80-90% in den Vordergrund rücken. Später soll es auch die „Kooperative Glaswirtschaft“ geben – ein Zusatzangebot für eingemachtes Gemüse und fertige Mahlzeiten aus dem eigenen Gemüse.

Die Infrastruktur mit Gebäuden und Gewächshäusern muss KoLa neu errichten – das bedeutet hohe Kosten, aber auch Möglichkeiten: so träumen die Gründer*innen beispielsweise von einem innovativen, durch Solarthermie beheizten Gewächshaus – womit nahezu emissionsneutral fast das ganze Jahr, schon ab März bis November, Fruchtgemüse angebaut werden könnte. Denn wenn man als Solawi viele Menschen erreichen will, ist diese Überlegung sehr wichtig: eine möglichst hohe Gemüsevielfalt und -qualität das ganze Jahr über. Auch sonst plant KoLa einige interessante, innovative Anbautechniken mit ein. Für die Mitglieder-Organisation und Partizipation ist u.a. eine umfangreiche App geplant.

Das „Großdenken“ steht für KoLa allerdings nicht im Gegensatz zum solidarischen Ideal. Über solidarische Staffelpreise können Mitglieder ihren Beitrag selbst wählen. Und auch über den eigenen Betrieb denkt sie schon hinaus und könnte sich vorstellen, gemeinsam mit anderen passenden Betrieben und v.a. auch den anderen Leipziger Solawis noch engere, solidarische Kooperationen aufzubauen.

KoLa denkt groß, plant groß und träumt noch größer – bleibt aber realistisch. Diese Art ambitionierten Vorgehens könnte ein Schlüssel gelingender sozial-ökologischer Transformation sein. Bald werden wir wissen, ob all diese Pläne tatsächlich klappen – aber bei so viel gebündelter Erfahrung, hoher Professionalität, viel Mut, Kooperationsbestreben und einer großen Vision könnte KoLa Leipzig tatsächlich ein weiteres Leuchtturmprojekt mit Vorbildfunktion für andere Großstädte werden.
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Gründung
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Ernteanteile (2019)
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Anbaufläche

Steckbrief

Stand: Q1/2020

SitzAn der Schmiede 4 / 04425 Taucha
Kontaktinfo@kolaleipzig.de / www.kolaleipzig.de
Gründungsjahr2019
Organe

Vorstand: mindestens 2, derzeit 3 – für Produktion, Weiterverarbeitung und Verwaltung – mit 1,5 Vollzeitäquivalenten und für 3 Jahre gewählt.

Aufsichtsrat: 3-9 Mitglieder, derzeit 9, davon mindestens 1 Mitarbeiter und 1 Ernteteiler, für 3 Jahre gewählt.

Beirat der Mitarbeitenden: mit Vorschlagsrecht für Vorstände und Einspruchsrecht gegen Beschlüsse der Generalversammlung.

Generalversammlung: kann weitere Beiräte und AGs bilden.

Hofrat, Verein für Bildungsarbeit.

Mitgliedschaft

3 Geschäftsanteile zu 100,- €, maximal 300 Geschäftsanteile. Die Anteile können zur Hälfte innerhalb von zwei Jahren in Raten eingezahlt werden.

Gewinne werden nicht an die Mitglieder ausgeschüttet.

24 Monate Kündigungsfrist zum Ende des Geschäftsjahres (Juli-Juni), Mindestkapital 80% der Geschäftsguthaben.

SatzungSatzung
PrüfungsverbandPDK Berllin, Prüfungsverband deutscher Konsum- und Dienstleistungsgenossenschaften e.V.
Mitglieder mit Ernteanteilen220-380 in 2020
Optimale Grösse1500-2000 in 2028
Mitarbeiter*innen

11 Vollzeitäquivalente geplant für 2021, 23,5 geplant für 2028, davon

7,5-16,5 im Gemüse- und Obstbau,

1-3 im OrgaTeam,

1-2,5 in der Logistik.

Betriebszweige, Betriebsstätten und Beteiligungen

Gartenbau, Obstbau (vielfältiges Tafel- und Streuobst).

Die Kooperative Glaswirtschaft UG für die Verarbeitung ist 100% Tochter der eG.

Anbauflächen

35 ha, alles in Pacht.

0,8 ha im geschützten Anbau.

AnbauÖkologisch ähnlich EU-Bio-Verordnung, ohne Jungpflanzenaufzucht. Mehr als 40 Kulturen mit 50-60 Sorten.
VersorgungszeitraumGanzjährig. 50 Lieferwochen. Das Abo besteht aus 46 Ernteanteilen. Mit 4 “Jokern” können die lieferfreien Wochen gewählt werden.
ErzeugnisseGemüse, Obst, Solawi-Gläser (Fertiggerichte, Aufstriche, Eingemachtes, Saft).
ErgänzungenTeilweise, um Kooperationen zu etablieren. Als Zusatzkiste mit Brot, Eiern, Honig im Paket.
Größen und Auswahl3 verschiedene Basisgrößen (S, M, L), mit Zusatzmodulen (Gemüse+, Salat&Kräuter+, Obst+, Kartoffel&Zwiebel+, Fruchtgemüse+) geplant.
KostenS-Anteil für ein bis zwei Personen mit ca. 2,4 kg Obst und Gemüse für ca. 55 € Normalpreis pro Monat.
VerteilungSelbstabholung ab Verteilstationen, zum Teil in Kooperation mit der Konsum Leipzig eG. Hauslieferung per Lastenrad durch FULMO Kurierunion.
TestphaseNoch keine.
KommunikationMonatlicher Rundbrief als E-Mail, Infos und Blog über Website und soziale Medien.
MitmachenMitackern regelmäßig nach Umzug auf eigene Pachtflächen im Oktober 2020. Mitarbeit in AG-Strukturen ist angedacht.
Solidarität

Für die Gemüseanteile gibt es jeweils einen Normalpreis, zwei ermässigte und zwei Soli-Preise. Der Ernteanteils-Beitrag für eine Woche kann dann von 2,00€ unter bis 3,50€ über dem Normalpreis liegen. Niedrigere Beiträge als 2,00€ unter Normalpreis sind auf Anfrage möglich.

Einem Öko-und Sozialfonds werden mindestens 5% des Jahresüberschusses zugeführt.

Aktuell größte HerausforderungenAnbaustart, erste Lieferungen, Hofaufbau.