Die Gemeinnützige

Solidarische Landwirtschaft Vauß-Hof eG

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Salzkotten-Scharmede

Wenige Kilometer westlich von Paderborn befindet sich seit 2016 die Solawi Vauß-Hof. Der Gründungsimpuls kam von engagierten Bürger*innen, die bei der Landwirtsfamilie Pötting auf dem Gelände des Vauß-Hof eine gute Basis zum Aufbau ihrer Gemüse-Genossenschaft gefunden haben. Was die Solawi Vauß-Hof besonders macht, ist ihre Anerkennung als gemeinnützige Genossenschaft – und damit ist sie bisher einzigartig: Die Gemeinnützige!

01:05 –  Wo sind wir hier eigentlich und wer bist du?

01:28 – Marlene, kannst du uns als Gründungsmitglied mal erzählen, wie eure Solawi entstanden ist?

03:06 – Ihr habt Anbauflächen von einem bestehend Hof bekommen. Wer hat dann da das gärtnerische Know-How eingebracht?

03:53 – Habt ihr euch gleich zum Start eurer Solawi dafür entschieden, eine Genossenschaft zu gründen?

05:35 – Was bedeutet eigentlich “gemeinnützige Genossenschaft”?

06:33 – Mit wie vielen Mitgliedern und wie vielen Genossenschaftsanteilen seid ihr dann gestartet?

07:36 – Wie hoch ist im Vauss-Hof ein Genossenschaftsanteil?

07:40 – Genossenschaften gelten verwaltungstechnisch als aufwändig. Teilt ihr diese Einschätzung?

09:01 – Kannst du was zu den verschiedenen Personen und deren Rollen im Vorstand und im Aufsichtsrat sagen?

13:02 – Mit wie vielen Ernteanteilen und wie vielen Mitgliedern seid ihr am Anfang gestartet?

14:02 – Wie groß wollt ihr werden? Habt ihre eine “optimale Größe”, die ihr anstrebt?

14:57 – Wie hoch ist der durchschnittliche Kostenbeitrag im Monat?

17:36 – Ist die Mitarbeit essentiell für euren Betrieb, die Genossenschaft und eure Bildungsarbeit?

20:06 – Ihr habt auch FÖJler auf dem Betrieb. Kannst du erzählen, wie wichtig die für euch sind? 

21:20 – Sprechen wir mal über euren Gemüseanbau. Was baut ihr eigentlich an auf eurer Fläche? Kauft ihr auch zu von Kooperationsbetrieben? Sind euch samenfeste Sorten wichtig? Wie kommt ihr an eure Jungpflanzen?

24:42 – Wie läuft bei euch die Gemüseroutine in der Woche ab?

26:02 – Kannst du erzählen, wie ihr mit euren Mitgliedern kommuniziert, wie ihr die einbindet? Habt ihr auch Arbeitsgruppen?

28:40 – Du bist für die Öffentlichkeitsarbeit und PR zuständig. Für wie wichtig hältst du die bei Solawis? Für wie wichtig hältst du es, auch auf sozialen Netzwerken unterwegs zu sein?

30:50 – Stichwort Hühnermodul. Bei euch gibt es Hühneranteile, erzähl doch mal von dem Projekt.

32:46 – Wenn du noch mal zurückschaust, was waren eure größten Hürden und Herausforderungen seit eurer Gründung 2015?

37:38 – Was würdest du sagen, was zeichnet eure Solawi besonders aus? Womit könntet ihr Neugründungen speziell weiterhelfen?

39:05 – Ihr macht anderen Initiativen Mut. Was würdet ihr einer Verbrauchergruppe raten, die gründen möchte?

40:45 – Genossenschaftliche Solawis sind derzeit noch eine Nische in der Nische. Was meinst du müsste passieren, damit diese Bewegung breiter wird und es mehr genossenschaftliche Solawis gibt?

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören auf unserer Website. Außerdem auch auf Spotify und iTunes oder mit diesem RSS-Feed in jedem beliebigen Podcatcher!

Zusätzliche Infos/Medien/Highlights

Hier folgen in Kürze Links zu weiterführenden Dokumenten, Videos oder anderen Highlights.

Ein Radiobeitrag macht die Kommunikationsexpertin Marlene Rathgeber auf Solidarische Landwirtschaft aufmerksam – und weil es so etwas in Paderborn noch nicht gibt, beschließt sie, Mitstreiter*innen zu suchen! Die findet sie – und bald auch einen geeigneten Ort: Auf dem Biobauernhof Vauß-Hof betreibt die Familie Pötting Viehhaltung. Von Gemüse keine Spur, aber Agraringenieur Marius Pötting hat geeignete Flächen, eine Lagerhalle und ist selbst sehr interessiert an dem Projekt. Die erste Infoveranstaltung wird ein riesiger Erfolg und die Gruppe legt direkt los. 2016 folgt dann die Genossenschaftsgründung mit über 100 Mitgliedern – und Marius Pötting vom Vauß-Hof mit im Vorstand.

Trotz Biobauernhof muss die Gemüseinfrastruktur damals von Null aufgebaut und ein geeigneter Gärtner eingestellt werden. Ihr Demeter-Gärtner sorgt seit 2016 zu 100% für ihre Gemüseversorgung – knapp 90 Ernteanteile sind es 2019. Gut 30 Sorten, alle samenfest, baut er an und bekommt Unterstützung von Praktikant*innen, Absolvent*innen des Freien Ökologischen Jahres und natürlich tatkräftigen Genoss*innen. Die haben teilweise sogar Arbeitsgruppen für einzelne Kulturen gebildet – so kümmert sich die „Tomaten-Truppe“ die ganze Saison über um ihr Lieblingsgemüse. Die Solawi-Genossenschaft ist auf freiwillige Mithilfe durch die Mitglieder bei Ernteaktionen, der Verteilung der Ernte und größeren Events angewiesen. 2020 sollen die Mitglieder durch eine weitere bezahlte Arbeitskraft im Gärtnerteam etwas entlastet werden. Vorstand und Aufsichtsrat sind ehrenamtlich tätig und orientieren sich in Arbeit sehr an basisdemokratischen Prinzipien: Einmal monatlich beraten sich die Mitglieder im Plenum zu aktuellen Fragen und auch bei den 14-tägig stattfindenden Sitzungen des Vorstands und Aufsichtsrats dürfen sie teilnehmen.

Ganz besonders bei dieser Genossenschaft ist aber, dass sie als gemeinnützig anerkannt ist. Voraussetzung dafür war, dass die Genossenschaft selbstlos tätig ist und sie nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke verfolgt. In §2 der Genossenschaftssatzung sind diese gemeinnützigen Zwecke verankert – es geht v.a. um die Förderung von Bildung, Umwelt- und Verbraucherschutz, aber auch das Voranbringen einer transparenten und fairen Landwirtschaft in der Region. Konkret zeigt sich das in Projekten mit Schulklassen, Vorträgen und Workshops. Die erste Gemeinnützigkeitsprüfung auf Basis der Satzung verlief erfolgreich – eine weitere Prüfung wird mit Spannung im ersten Halbjahr 2020 erwartet. Einige andere Solawi-Genossenschaften haben genau diese Projektarbeit in eigens dafür gegründete gemeinnützige Schwester-Vereine ausgelagert. Welche praktischen Vor- und Nachteile es mit sich bringt, wenn die eG selbst gemeinnützig ist, muss sich noch zeigen.

Bemerkenswert ist außerdem, dass die Genossenschaft seit der Gründung 2016 kaum gewachsen ist. Nachfrage besteht und auf den Flächen könnte noch mehr angebaut werden – aber momentan gilt es eher, die Strukturen und Abläufe in der aktuellen Größe weiter zu stabilisieren. Zumal außer dem angestellten Gärtner alle Vorstands- und Verwaltungsarbeit im Ehrenamt gestemmt werden muss. An neue Ideen und Projekten fehlt es trotzdem nie: Seit 2019 beteiligt sich die Solawi an einem Zuchtprogramm einer alten, regionalen Hühnerrasse und so kann man nun neben dem Gemüse-Ernteanteil auch einen Hühner-Anteil wählen. Der entspricht der Eierleistung eines Huhns und enthält ganz bewusst auch das Fleisch der geschlachteten Hennen und Bruderhähne – denn das gehört für die Genossenschaft ganz klar zusammen. Und auch der gemeinschaftliche Bau eines „Biomeilers“ hält gerade alle auf Trab: darin werden Hackschnitzel und Mist vergoren und die dabei produzierte Wärme soll in Zukunft Gewächshäuser heizen.

Die Genossenschaft Solawi Vauß-Hof ist ein schönes Beispiel für ein Projekt, das aus enger Zusammenarbeit von engagierten Städter*innen mit einem bestehenden Bauernhof gewachsen ist und tritt derzeit den Beweis an, dass Solawi-Genossenschaften auch gemeinnützig agieren können! Echte Pionierarbeit!
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Steckbrief

Stand: Q1/2020

SitzCerisy-Platz 2 / 33154 Salzkotten-Scharmede
Kontaktinfo@solawi-vausshof.de / solawi-vausshof.de
Gründungsjahr2016
Organe

Vorstand: mindestens 2, derzeit 3 Vorstände. Sind ehrenamtlich tätig und werden von der GV für 3 Jahre gewählt. Jährlich scheidet ein Drittel aus, Wiederwahl ist zulässig.

Aufsichtsrat: mindestens 3, derzeit 5 Mitglieder. Sind ehrenamtlich tätig und werden für 3 Jahre gewählt.

Generalversammlung: die eG ist gemeinnützig, Gewinne können nicht an Mitglieder ausgeschüttet werden.

Monatliches Plenum der SoLawi und für Interessierte.

Mitgliedschaft

Geschäftsanteil zu 150,- €, bei Bedarf zahlbar in monatlichen Raten zu 50 €. Zusätzliche Geschäftsanteile sind möglich.

Kündigung zum Schluss eines Geschäftsjahres mit einer Frist von 2 Jahren, das Mindestkapital beträgt 90% der Geschäftsguthaben.

SatzungSatzung
PrüfungsverbandGenossenschaftsverband der Regionen, Düsseldorf
Mitglieder mit Ernteanteilen200 Mitglieder, 90 Ernteanteile Gemüse, 70 Hühneranteile.
Optimale Grösseist abhängig von den Gärtnerstellen. Langsames Wachstum, Zielgröße in Diskussion.
Mitarbeiter*innen

4 Mitarbeiter*innen mit einem Arbeitsvolumen von

1,75 Vollzeitäquivalenten, davon

2,0 im Gemüsebau und Hühnerzucht

0 in der Logistik,

0 im OrgaTeam.

1 Stelle FÖJ seit 3 Jahren, BFD Stelle geplant

Betriebszweige, Betriebsstätten und Beteiligungen

Gemüseanbau, Hühnerhaltung.

Bildungsarbeit in Kooperatiuon mit dem Vauß-Hof.

Anbauflächen

2,5 ha, davon alles in Pacht.

1000 qm im geschützten Anbau.

Anbau

Biologischer Gemüsebau durch Demetergärtner, nicht zertifiziert.

Teilweise Jungpflanzenaufzucht, mehr als 30 Kulturen aus samenfesten Sorten.

Versorgungszeitraum

Ganzjährig, im Frühjahr ggf. einige Wochen ohne Ernteausgabe.

Ernteanteil muss auch während des Urlaubes von Freunden/Nachbarn abgeholt werden.

ErzeugnisseGemüse, Kräutermischungen, Kräutertee, Eier, Hühnerfleisch.
ErgänzungenKein Zukauf.
Größen und AuswahlEs gibt eine Standardgröße. Manche teilen sich einen Anteil. Was nicht mitgenommen werden will, kommt in eine Mitahmekiste.
KostenDurchschnittlicher Beitrag von 68 Euro pro Monat.
VerteilungAbholung in der Solawi-Halle am Freitagnachmittag und Samstagvormittag.
TestphaseKeine.
Kommunikation

Informationen per Mail und Whatsapp, Website, Jahresbrief, Forum. Z.Zt.ist ein internes Kommunikationsportal im Aufbau.

Bildungsangebote in Zusammenarbeit mit dem Vaußhof, Kooperationen mit Schulen, Hofführungen, Kindergeburtstage, Jahreskurse für Kinder.

Filmabende, Vorträge.

Mitmachen

Mitgärtnern ist immer möglich, monatliche Arbeitseinsätze am Samstag. 12 AG´s zur Pflege der Kulturen, keine Pflichtstunden.

Im Jahr 2019 ca. 2000 Std. freiwiliige Arbeit durch die Mitglieder.

SolidaritätBieterrunde, Abholgemeinschaften für die Ernte.
Aktuell größte Herausforderungen

Erweitern des Gärtnerteams, Nachfolgeregelung. Einstellen eines weiteren Demetergärners, schrittweises Erhöhen der Ernteanteile.

Kontinuierliche Bodenverbesserung.