Die Multiplikatorin

WirGarten Lüneburg eG

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Lüneburg

Seit 2017 gibt es den WirGarten in Lüneburg und das ist erst der Anfang. Für den Initiator Matti Pannenbäcker ist die WirGarten Lüneburg eG der Prototyp für ein zukünftiges Netzwerk aus vielen WirGarten-Gemüsegenossenschaften! Ihre Mission lautet OpenSource, Übertragbarkeit, Skalierungsfähigkeit, effiziente Lösungen und Vorlagen für alle: die Multiplikatorin!

01:05 – Wer bist du eigentlich und wo sind wir hier?

01:21 – Matti, du bist der Initiator des WirGarten Lüneburg. Wie seid ihr dazu gekommen, den WirGarten zu gründen?

Als erstes habt ihr einen Verein gegründet, oder?

Der Verein, den ihr gegründet habt, hatte welchen Zweck?

03:36 – Die Genossenschaft kam dann 2 Jahre später. Wieso Genossenschaft und wie habt ihr die ersten Mitglieder für die Genossenschaft gefunden?

05:00 – Ihr habt dann eine kleine Kampagne gemacht, um die ersten Mitglieder zu finden; so mit Infoveranstaltung, wie man es kennt?

06:40 – Mit der Gründung hattet ihr dann also auch gleichzeitig 105 Genossenschaftsanteile, weil jedes Mitglied mindestens einen Anteil gezeichnet hat. Und gleich nach der Gründung hattet ihr gleich nochmal eine “Kapitalerhöhungsrunde” gemacht und nochmal zusätzliche Anteile zeichnen lassen. Warum?

10:41 – Ihr habt Euch das ganze Jahr 2017 Zeit genommen, um die Finanzierung sicher zu stellen und die Ernteteiler zu finden. Wie sieht das eigentlich bei euch mit den Ernteanteilen aus? Welche verschieden Größen gibt es?

12:19 – Als ihr 2018 gestartet habt, wie viele Haushalte wart ihr da, die auch Ernteanteile bezogen? Wo steht ihr jetzt im Moment und was ist das Wachstumsziel euer Genossenschaft?

14:04 – Was waren seid 2017 die größten Hürden und Rückschläge, die ihr zu verkraften hattet – aber auch die Dinge, die richtig gut gelaufen sind?

16:54 – Nochmal ein paar Fakten bitte: wie groß ist eure Anbaufläche, habt ihr Gewächshäuser? Wie sieht eure Gärtnerei aus?

Das besondere an Eurer Infrastruktur ist ja, dass ihr sie sehr mobil geplant habt. Weil es ja auch eine Pachtfläche ist und ihr nicht wisst, ob ihr nicht in 10 Jahren theoretisch den Standort wechseln müsst. Wie seid ihr dieses Thema angegangen?

20:22 – Gab es Wasser und Strom auf der Pachtfläche?

20:54 – Was baut ihr alles für Kulturen an? Wie groß ist die Gemüsevielfalt? Zieht ihr eure Jungpflanzen selbst?

22:04 – Liefert ihr ganzjährig, oder gibt es eine Winterpause?

23:01 – Erzeugt ihr alles selber oder kauft ihr einzelne Kulturen von Landwirten aus der Region zu?

24:30 – Ihr habt nach dem ersten Anbaujahr eure Anbaumethode auf “bio-intensiv” geändert. Was waren hier eure Beweggründe?

27:10 – Wenn ihr jetzt komplett auf bio-intensiv umstellt, bräuchtet ihr gar keine 8,5 ha und man käme auch mit einer kleineren Fläche aus, was ja super spannend wäre für Solawis mit sehr stadtnahen Flächen?

28:37 – Welche unterschiedlichen Gruppen und genossenschaftliche Gremien gibt es bei euch?

35:55 – Lass uns noch auf das spannende Thema Social Franchise schwenken. Du hast ja bereits am Anfang des Interviews erzählt, dass ihr zum Start auch gleich einen Verein gegründet habt, der zum Ziel hat, community-basierte Wirtschaftsformen zu vervielfältigen und habt dann den WirGarten als Prototypen gegründet, um zu testen, wie das funktioniert und um anderen zu helfen, es Euch gleich zu tun. Was waren die Überlegungen und wo steht ihr im Moment?

41:43 – Beschreibt ihr in dem Handbuch auch nochmal den bio-intensiven Anbau?

42:26 – Für wen eignet sich eigentlich das ganze Social Franchise? Welche Initiativen können sich da bei euch melden? Städtische oder ländliche Initiativen? Mit großen oder kleinen Flächen?

43:53 – Was würdest du Leuten allgemein raten, egal ob Gärtner*innen oder Initiatoren oder Konsumenten, die sich gerade auf den Weg machen eine Solawi zu gründen? Hast du ultimative Tipps?

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören auf unserer Website. Außerdem auch auf Spotify und iTunes oder mit diesem RSS-Feed in jedem beliebigen Podcatcher!

Zusätzliche Infos/Medien/Highlights

Im Januar 2020 benötigte das Gärtnerei-Team der WirGarten Lüneburg eG von seinen Mitgliedern Unterstützung, neue Market Garden Beete anzulegen: Hier der Aufruf zur Kompost-Challenge̵ (00:55) und was an dem Mitmachtag alles bewegt wurde (00:37).

Der WirGarten e.V. bietet Gründungsberatung an und möchte auch das Gründen, Aufbauen und Führen weiterer WirGarten-Genossenschaften ermöglichen. Hier geht es zum offenen WirGarten-Handbuch, einer Muster-Anbauplanung und Muster-Finanzplanung für alle.

Wann und in welchem Reihenabstand werden die Frühlingszwiebeln angepflanzt und geerntet, wie hoch waren die Personalkosten letzten Juli und welche Erlöse werden für nächstes Jahr angestrebt? All das kann man in den öffentlichen Anbau- und Finanzplanungstabellen auf der WirGarten-Website detailliert nachlesen. Und oben drauf gibt’s auf Anfrage noch ein umfangreiches Handbuch, das Schritt für Schritt erklärt, wie man einen eigenen WirGarten aufbauen kann: von der Genossenschaftsgründung über Mitgliederkommunikation und Bauvorschriften bis hin zu empfehlenswerten Lieferant*innen, hier steht alles drin und wird fortlaufend aktualisiert – ermöglicht durch eine EU-Förderung. Für den Organisationsberater und Initiator Matti Pannenbäcker geht es darum ganz konkrete Geschäftsmodelle und Strategien für regenerative Ernährungssysteme zu entwickeln. Mit diesem Vorhaben gründet er 2015 zunächst den WirGarten Verein, um dann im zweiten Schritt eine erste WirGarten-Genossenschaft unter diesem Dach zu starten. 

Der Lüneburger WirGarten ist eine 8 Hektar große Pachtfläche, ein idyllisches Fleckchen im Stadtgebiet. Rund 50 verschiedene Gemüsesorten werden hier angebaut. Eine Besonderheit: Alles, was bei den rund 250 Ernteanteils-Genoss*innen jede Woche landet, stammt aus Eigenanbau. Zukaufsware versuchen sie zu minimieren. Beim Anbau verfolgt das WirGarten-Team, so wie z.B. auch die Biotop Oberland eG, den „Bio-Intensiv“-Ansatz, auch als „Market Gardening“ bekannt: durch eine vorwiegend manuelle und sehr kompakte Anbauweise, möglichst minimale Bodenbearbeitung und hohe Vielfalt soll nicht nur die Bodenfruchtbarkeit profitieren. Es geht um die Fragen: wie kann man auch mit kleinen, urbanen Flächen – also platzsparend – möglichst viele Menschen versorgen? Und, wo überhaupt liegt – hinsichtlich ihrer betriebswirtschaftlichen Stabilität – die kleinstmögliche Größe einer WirGarten-Genossenschaft? Auf ihren 8 Hektar könnte sie theoretisch auch 1.000 Genoss*innen versorgen. Ob sie wirklich so groß werden kann bzw. will, ist bisher nicht festgelegt. Die wirtschaftliche Gewinnschwelle soll bereits 2020 erreicht werden.

Auch für ihre Infrastruktur auf dem völlig unbebauten Gelände hat der WirGarten interessante Lösungen gefunden: Bis auf das Verbundpflaster und einige Punktfundamente ist alles mobil und potentiell umzugsfähig. Ob Gewächshäuser, Wildschutzzaun oder auch Lager und Team-Räume, die von Containern beherbergt werden. Mobile und modulare Bauweise  ist der Schlüssel, wenn man mit gepachteten Flächen arbeitet – und auch baurechtlich einfacher.

Für den erfolgreichen Aufbau einer Solawi-Genossenschaft ist einfach viel punktuelles Spezial-Knowhow gefragt. Um anderen genau das zu erleichtern, bereitet das WirGarten-Team mit einem Netzwerk an Expert*innen nicht nur seine Erfahrungen öffentlich auf, sondern stellt Gründer*innen auch die komplette Marke „WirGarten“ zur Verfügung. Das Open-Source-Handbuch hat sich bereits mehr als gelohnt und einigen Initiativen bei der Gründung weitergeholfen – u.a. plantAge in Brandenburg und der KoLa Leipzig.

Ihre strategische und mitreißende Herangehensweise mit Blick auf Vervielfältigung zeichnet den WirGarten aus. Wo wohl der nächste entstehen wird?
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Gründung
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Anbaufläche

Steckbrief

Stand: Q1/2020

SitzVögelser Str. 25 / 21339 Lüneburg
Kontaktlueneburg@WirGarten.com / lueneburg.wirgarten.com
Gründungsjahr2017
Organe

Vorstand: mindestens 2, derzeit 4 Vorstände, werden von der GV für 2 Jahre gewählt.

Aufsichtsrat: mindestens 3, derzeit 5 Mitglieder, für 3 Jahre gewählt.

Generalversammlung: bestimmt die Versammlungsleitung auf Vorschlag des Aufsichtsrates. Gewinne können nicht an die Mitglieder ausgeschüttet werden.

Kernteam: Mitglieder werden in Vorstand gewählt.

Mitgliedschaft

2 bis 5 Geschäftsanteile zu 50,- €, abhänging von der Größe des Ernteanteils. Zusätzliche Geschäftsanteile sind möglich.

12 Monate Kündigungsfrist zum Ende des Geschäftsjahres.

SatzungSatzung
PrüfungsverbandPDK Berlin – Prüfungsverband deutscher Konsum- und Dienstleistungsgenossenschaften e.V.
Mitglieder mit Ernteanteilen500 Mitglieder mit 250 Erteanteilen.
Optimale Grösseunklar
Mitarbeiter*innen

5 Mitarbeiter mit einem Arbeitsvolumen von

2,8 Vollzeitäquivalenten (Grundgehalt 2.500€), davon

2,1 im Gemüsebau,

0,2 in der Logistik,

0,5 im OrgaTeam.

Betriebszweige, Betriebsstätten und BeteiligungenGemüsebau
Anbauflächen

8,23 ha, alles in Pacht.

1 ha Freiland Lagergemüse,

0,6 ha Market Gardening Feingemüse,

0,06 ha geschützter Anbau.

AnbauRegenerativer Gemüsebau, Market Gardening, EU-Bio-Zertifizierung (wegen Pachtauflage und Förderung), keine Jungpflanzenaufzucht, bevorzugt samenfeste Sorten, mehr als 50 Kulturen mit über 100 Sorten.
Versorgungszeitraum

Ganzjährig, 51 Lieferwochen (1 Woche Pause zwischen Weihnachten und Neujahr).

Ein Pausieren ist grundsätzlich nicht möglich, im Falle von z.B. Urlaub kann man versuchen eine andere Person zu finden, die den Ernteanteil in dieser Zeit abholt.

ErzeugnisseGemüse
ErgänzungenMöglichst ohne Zukauf, z.B. von Lagergemüse, v.a. Kartoffeln, nur zum Start und in Wachstumsphasen.
Größen und AuswahlVier verschiedene Größen (S-XL) mit 1- bis 2,5-facher Menge des gleichen Gemüses.
Kosten67,50 € pro Monat für die M-Größe mit ca. 3 kg Gemüse pro Woche.
Verteilung

Ab 2020 wird das WirGarten-Gemüse mit einem geleasten Elektrotransporter verteilt.

Die Ernteanteile werden an den Abholorten selber abgewogen: am Hof, über 2 Abholgruppen oder in 4 Depots, z.B. einem Lebensmittelladen.

TestphaseVier Wochen Testphase. Mit Zustimmung der WirGarten Lüneburg eG kann der Ernteanteil an Dritte übertragen, erhöht oder verringert werden.
KommunikationErntePost als wöchentlicher Newsletter mit Gartennews, Rezeptideen, Lagertipps und allen wichtigen Informationen rund um die Ernte. Weitere Infos und Rezepte über die Website.
Mitmachen

Mitgärtnern Mo bis Do 08:00 – 16:00 Uhr, jeden Sonntag 10:00 bis 16:00 Uhr, Workshops, Open Air Kino.

Formate für gemeinsame Essen: Running Dinner – 3-Gänge-Menue mit kooperativem Kochen und Lange Tafel – ein gemeinsames Essen mit Mitbring-Buffet unter freiem Himmel im WirGarten, jährliches Gartenfest.

SolidaritätStudierende, Auszubildende und Sozialhilfeempfänger*innen sind bei Abschluss eines Jahreserntevertrages von der Mitgliedschaftspflicht in der Genossenschaft befreit. Sehr niedrige Mindesteinlagen, sodass zusätzliche Einlagen von Mitgliedern erforderlich sind.
Aktuell größte HerausforderungenKonsolidierung von Team, Prozessen und Anbausystem für Größenwachstum.