Die Optimiererin

Biotop Oberland eG

BioTop Oberland

Lenggries

Solawis funktionieren nur in Städten? Biotop Oberland beweist seit 2015 das Gegenteil – mit über 400 Mitgliedern, am Fuße der Alpen in Lenggries, im tiefsten Oberbayern. Doch die wahre Expertise der Genossenschaft ist eine andere: sie analysiert mit Leidenschaft noch so kleine Details, egal ob in der Anbauplanung, bei gärtnerischen Handgriffen oder im Verteilsystem – es lässt sich immer noch etwas effizienter, intelligenter und besser machen – sie ist: Die Optimiererin!

01:27 – Wo sind wir hier und wer seid ihr?

02:13 – Woher kennt ihr euch? Wie kamt ihr auf die Idee die Biotop Oberland eG zu gründen? 

03:49 – Wo lag eure persönliche Motivation?

08:23 – Im Sommer 2014 habt ihr das Kartoffelkombinat (damals 2 Jahre alt, 400 Mitglieder) besucht. Auf was für ein Projekt seid ihr da getroffen?

10:00 – Im Februar 2015 dann die erste große Infoveranstaltung. Wie ging es dann danach weiter?

13:51 – War es immer Euer Ziel einen eigenen Gärtnereibetrieb aufzubauen?

15:54 – Und wie habt ihr dann letztendlich den Ort für euren eigenen Gemüsebaubetrieb gefunden?

17:19 – Jetzt habt ihr euer zweites Jahr auf der eigenen Fläche (2 ha) hinter euch. Wo seht ihr eure “optimale Betriebsgröße”?

18:33 – 450 Haushalte auf 2 ha versorgen? Das bedeutet dann “bio-intensiv”, oder?

20:02 – Wieviel Prozent der Gesamtgemüsemenge kauft ihr zu?

20:06 – Wie gestaltet ihr eure Beziehungen zu den Zukauf-Betrieben?

21:11 – Warum funktioniert das Konzept der Solawi-Genossenschaft an Eurem Standort so gut? Wir befinden uns hier im sehr traditionsbewussten bayrischen Alpenvorland, dem sog. Oberland. 

24:37 – Ihr ward schon erfolgreich, als ihr noch zu Gast auf anderen Flächen euer Gemüse angebaut habt. Seit ihr hier eure eigenen Flächen bewirtschaftet und diese besser sichtbar sind, habt ihr nochmal mehr Zuspruch erfahren. Warum?

26:09 – Gab es auch unerwartete Schwierigkeiten mit denen ihr konfrontiert wart?

27:38 – Nur 10 Solawis haben sich bislang trotz toller Erfolge als Genossenschaft gegründet. Habt ihr dafür eine Erklärung?

29:58 – Könnt ihr kurz auf die Vor- und Nachteile, sowie die Kosten der Rechtsform Genossenschaft eingehen?

34:10 – Wie zufrieden seid ihr mit dem Partizipationsgrad eurer Mitglieder an der Genossenschaft und dem Gemüsebaubetrieb?

38:30 – Macht ihr eine Bieterrunde und falls nein, plant ihr eine solche in Zukunft?

42:38 – Wie geht ihr mit der hier vermeintlich ungünstigen geographischen Lage für Gemüsebau im Alpenvorland um und was zeichnet euren Anbau im Speziellen aus?  

46:40 – Alles in allem eine extrem effiziente und strukturierte Vorgehensweise. Auch in der Logistik?

49:00 – Wie viele Verteilstationen habt ihr für eure 430 Ernteanteile und wie sehen diese Verteilstationen aus?

54:47 – Wie kam es, dass ihr eine so tolle betriebliche Infrastruktur nutzen könnt?

58:09 – Was würdet ihr sagen, zeichnet genau euer Biotop Oberland im Vergleich zu anderen Initiativen aus?

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören auf unserer Website. Außerdem auch auf Spotify und iTunes oder mit diesem RSS-Feed in jedem beliebigen Podcatcher!

Zusätzliche Infos/Medien/Highlights

Vom Aufbau der ersten gemeinschaftsgetragenen Gärtnerei im Isartal:
Der Startschuss fiel im November 2017 mit dem Umbruch der gepachteten Fläche von der Wiese zum Gemüseacker (00:52).
Im März 2018 ging es mit dem Aufbau der 3 Gewächshäuser (01:51) weiter.

2014 hat der Gartenbauingenieur Sebastian Girmann es satt – er ist angestellt bei einer Bio-Gärtnerei, doch es werden irgendwann zu viele Punkte, die er gerne selbst anders angehen würde. Auf der Suche nach Lösungen für eine bessere Landwirtschaft stößt er zunächst auf das Prinzip Solawi, dann auf die Kartoffelkombinat eG und begeistert damit auch seinen alten Schulfreund Nick Fischer, der sich in seinem Job als Event- und Projektmanager gerade selbst die ein oder andere Sinnfrage stellt. 2015 bringen sie gemeinsam das Biotop Oberland als zweite Solawi-Genossenschaft in Deutschland an den Start – zunächst mit 1 Hektar in Kooperation mit Sebastians alter Bio-Gärtnerei in Bad Heilbrunn.

Heute bewirtschaftet das Gärtnereiteam eine gut 2 Hektar große langfristig gepachtete Fläche etwas weiter südlich, in Lenggries. Sie schaffen es, auf erstaunlich wenig Platz über 100 Sorten für ihre mehr als 400 Mitglieder anzubauen. Das ist möglich durch ihre Orientierung am Konzept des „bio-intensiven“ Anbaus, wie ihn z.B. auch der WirGarten Lüneburg anstrebt. Etwa 70% ihrer Gemüseversorgung bauen sie auf diese kompakte, ausgeklügelte Art und Weise selbst an, darüber hinaus werden sie vor allem beim winterlichen Lagergemüse noch von Partnerbetrieben unterstützt.

Beim Biotop Oberland fällt schnell auf, dass hier passionierte Planer und Optimierer am Werk sind: die über 400 gepackten Gemüsekisten schaffen es alle am selben Tag mit nur einem Fahrzeug an die 11 Verteilstationen, die im Umkreis von bis zu 40 km liegen. Auch die regionalen Bedingungen erfordern gute Planung und Flexibilität – hier im Alpenvorland ist es länger kalt und es regnet oft. Da muss das Gärtnereiteam je nach Wetterlage flexibel zwischen Freiland und Gewächshäusern hin- und herspringen. Generell legen sie hier einen starken Fokus darauf, noch so klein erscheinende Handgriffe zu analysieren und optimieren – zum Beispiel bei der Pflege der Tomatenpflanzen: Denn selbst wenn eine verbesserte Technik hier pro Pflanze nur 5 Sekunden einspart, kann sich das aufs Jahr hochgerechnet zu mehreren Arbeitstagen aufsummieren – und sorgt somit auch für ein entspannteres Arbeiten fürs Team.

Eine Solawi-Genossenschaft mitten im ländlichen Raum ohne städtische Zielgruppe erscheint aus der Perspektive manch anderer Solawi erstmal wenig aussichtsreich. Doch beim Biotop Oberland waren Nachfrage und Rückenwind von Anfang an sehr groß! Ein Grund: Obwohl im Isartal bis vor 100 Jahren Gemüse angebaut wurde, gibt es heute kaum noch Gemüsegärtnereien in der Nähe – während auch hier das Bewusstsein und der Wunsch nach anständig und regional produziertem Gemüse wächst. Das Biotop Oberland kommuniziert „back to roots“ statt progressiv die alternativen Revoluzzer zu geben. Und seit ihrem Umzug 2018 auf die Fläche direkt am Ortseingang von Lenggries sind schon viele Ortsansässige, von den auffällig bunten Gemüseflächen überzeugt, zu Genoss*innen geworden. Viel weiter möchte die Biotop Oberland eG nicht mehr wachsen. Die Genossenschaft wird die angestrebte Optimalgröße von 450 Mitgliedern 2020 erreichen. Und sich damit betriebswirtschaftlich, mit Blick auf Kosten und Erlöse, aber auch hinsichtlich der sozialen Stabilität und ihres transformativen Charakters vielleicht idealtypisch ausbalancieren.

Mit ihrer bodenständigen Präsenz zeigt das Biotop Oberland, dass Solawi-Genossenschaften auch in traditionellen, ländlichen konventionell-geprägten Regionen wunderbar funktionieren können. Sie wissen genau was sie tun – das, und ihre Freude an Effizienz und Planung, macht „Die Optimiererin“ so erfolgreich!
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Gründung
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Ernteanteile
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Anbaufläche

Steckbrief

Stand: Q1/2020

SitzSteinbach 8c / 83661 Lenggries
Kontaktinfo@biotop-oberland.de / www.biotop-oberland.de
Gründungsjahr2015
Organe

Vorstand: (mindestens) 2, derzeit 2 Vorstände, beschäftigt mit 0,87 Vollzeitäquivalenten. Der Vorstand wird vom Aufsichtsrat bestellt und abberufen.

Aufsichtsrat: mindestens 3, derzeit 4 Mitglieder, für 3 Jahre gewählt.

Generalversammlung: Die gültig abgegebenen Stimmen von Fördermitgliedern dürfen nicht mehr als 10% der gültig abgegebenen Stimmen der ordentlichen Mitglieder ausmachen.

Mitgliedschaft

1 Geschäftsanteil zu 150,- €, der Vorstand kann die Einzahlung in monatlichen Raten à 50 € zulassen.

Nicht nutzende Mitglieder können Fördermitglieder werden. 3 Monate Kündigungsfrist zum Ende des Geschäftsjahres, Mindestkapital 80% der Geschäftsguthaben

SatzungSatzung
PrüfungsverbandPrüfungsverband Hamburg – Prüfungsverband der Deutschen Verkehrs-, Dienstleistungs- und Konsumgenos­senschaften e.V.
Mitglieder mit Ernteanteilen450
Optimale Grösse450 in 2020
Mitarbeiter*innen

5 Mitarbeiter*innen inklusive einer Auszubildenden mit einem Arbeitsvolumen von 4,2 Vollzeitäquivalenten (40h), davon

2,8 im Gemüsebau,

0,8 in der Logistik, Organisation und Kommunikation,

0,6 in Verwaltung.

5 Helfer übernehmen Packen & Ausfahren mit ca. 15h / Woche.

Betriebszweige, Betriebsstätten und BeteiligungenGemüseanbau und Sugo.
Anbauflächen

2,5 ha, alles in Pacht.

0,08 ha im geschützten Anbau.

Anbau

Biologisch ohne Zertifizierung, da ohne Mehrwert für die Genossenschaft. Mitglied im Biolandverband. Bio-Zertifiziert ab 2022.

Teilweise Jungpflanzenanzucht.

50 verschiedene Kulturen bzw. 150 Sorten, 90% davon samenfest.

VersorgungszeitraumGanzjährig mit 50 Lieferwochen. Das Abo besteht aus 50 Lieferungen pro Jahr, mit bis zu 4 Biotop-Jokern können lieferfreie Wochen gewählt werden. Genutze Joker werden zurückerstattet.
ErzeugnisseGemüse, Sugo.
Ergänzungen

Gemüse, Saft, Obst, Honig.

Ergänzung durch Kooperation oder Zukauf bis zu 30%.

Größen und AuswahlDrei Größen, normal, groß und klein, in gepackten Kisten.
Kosten68,- € pro Monat für den normalen Ernteanteil.
VerteilungÜber 11 Verteilstationen in 6 Gemeinden.
Testphase6 Wochen
Kommunikation

Wöchentlicher, gedruckter Rundbrief mit Informationen und Rezepten. Newsletter, Blog, Mitglieder-Forum.

Veranstaltungen, ca. 10 pro Jahr.

Mitmachen

Mitgärtnertage unter der Woche und am Wochenende, Mithilfe beim Packen, Ausfahren und bei Einkochaktionen.

Jährliche Zufriedenheitsumfrage.

SolidaritätSolidarbeitrag
Aktuell größte Herausforderungen

Finanzierung weiterer Gewächshäuser,

Zahlung fairer Gehälter,

gärtnerische Fachkräfte finden.