Solidarische Landwirtschaft (Solawi)

Wie können wir eine ökologisch und sozial zukunftsfähige Landwirtschaft etablieren? Diese Frage entwickelt sich zu einer der zentralen Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Unsere Landwirtschaft ist stark abhängig von Subventionen, die vor allem an Großbetriebe gehen. Die Marktpreise bilden die wahren sozial-ökologischen Kosten nicht ab. Landwirtschaftliche Großbetriebe breiten sich immer mehr aus – dadurch gehen Arbeitsplätze und vielfältige Anbaumethoden verloren. Immer schwerere Maschinen und die intensive Bodenbearbeitung führen dazu, dass der Boden weniger fruchtbar wird. Der Einsatz von Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel zerstört die Biodiversität.

Wachsen oder Weichen.

Unter den gegenwärtigen Bedingungen fällt es immer mehr Landwirt*innen schwer, nachhaltig zu wirtschaften. Sie sind häufig gezwungen, über die eigenen Belastungsgrenzen und die ihrer Mitarbeiter*innen, Tiere und des Bodens zu gehen. Steigende Kosten führen zu schrumpfenden Einkommen. Und da die Zukunftsperspektiven immer schlechter werden, finden sich immer weniger Hofnachfolger*innen – und immer mehr Höfe sterben aus oder werden aufgekauft.

Spätestens die Corona-Krise zeigt, dass wir bereits heute stärker auf eine autarke, regionale Landwirtschaft angewiesen sind, als es der breiten Bevölkerung und der Politik bewusst war. Dabei ist die Landwirtschaft wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig dem Klimawandel ausgesetzt. Extremwettereignisse werden weiter zunehmen, wie Hitzewellen, lange Trockenperioden, Hagel, Starkregen und dadurch auch Überschwemmungen. Wir sind also darauf angewiesen, die Klimaveränderungen aufzuhalten – nicht nur, aber auch, um unsere Grundversorgung zu sichern.

Solidarische Landwirtschaft gilt hingegen als ein Konzept der Zukunft.

Die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) ist eine weltweit erprobte und zukunftsweisende Strategie für eine verantwortungsvolle Landwirtschaft. Dabei tun sich Landwirt*innen mit einer Gruppe von Haushalten zusammen: Sie finanzieren den landwirtschaftlichen Betrieb für ein Jahr im Voraus und bekommen dafür ihren Anteil an der Ernte. Dadurch haben die Landwirt*innen Planungssicherheit. Sie müssen sich nicht nach den Marktpreisen richten und können stärker auf ökologische Nachhaltigkeit achten. In Form einer genossenschaftlichen Gemeinschaft können die Haushalte auch selbst zu Erzeugern werden, Land pachten oder kaufen und Gärtner*innen beschäftigen. 

Die Menschen, die an der Solidarischen Landwirtschaft teilnehmen, erleben ein Gefühl der Selbstwirksamkeit. Die Projekte sind auf Gemeinwohl ausgerichtet, nicht auf Wirtschaftswachstum. Es geht darum, soziale Beziehungen zu gestalten und dadurch eine nachhaltige und faire Ressourcennutzung zu ermöglichen. Erfreulicherweise steigt die Zahl der Initiativen im Bereich der Solidarischen Landwirtschaft seit Jahren stark an (siehe Grafik).

Eine zentrale Herausforderung für einen Weg aus der Nische: die betriebswirtschaftliche Stabilisierung.

Solawis, die wachsen und in Land, Gebäude oder Geräte investieren wollen, stoßen als loser Verbund oder auch als Verein manchmal an Grenzen. Die Wirtschaftsform der Genossenschaft “zwingt” die Gemeinschaft quasi dazu, sich noch mehr Gedanken ums Betriebswirtschaftliche zu machen: Was brauchen wir? Wieviel und wann müssen wir investieren?

Zudem sind kleinere Initiativen oft auf sehr viel ehrenamtliches Engagement ihrer Mitglieder angewiesen und tun sich zum Teil schwer faire Löhne zu zahlen. Daher bleibt es in vielen Fällen eine zentrale Herausforderung, die Gemeinschaften betriebswirtschaftlich stabil zu machen und so die Prinzipien gemeinschaftsgetragener Landwirtschaft zu professionalisieren.

Die werteorientierte Rechtsform der Genossenschaft kann hier auf viele Fragen gute Antworten liefern. Sie bietet einen sicheren und bewährten Rechtsrahmen, der die unternehmerische Perspektive stärkt.

Bildquelle: Netzwerk Solidarische Landwirtschaft

Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft

Unser bundesweit agierendes Netzwerk Solidarische Landwirtschaft wurde 2011 gegründet. Es bündelt die Erfahrungen bestehender Solawi-Betriebe und bietet u.a. Beratungen zu den verschiedensten Themenkomplexen gemeinschaftsgetragener Landwirtschaft an. Das grundlegende Konzept der Solidarischen Landwirtschaft wird hier erklärt: