Die Vorreiterin

Kartoffelkombinat eG

Kartoffel_Kombinat

München

Das Kartoffelkombinat wurde 2012 von Simon Scholl und Daniel Überall in München gegründet: die erste, konsequent als Genossenschaft organisierte Solidarische Landwirtschaft in Deutschland. Und heute, mit über 2.200 Genoss*innen, auch die mitgliederstärkste. Vorhang auf für: die Vorreiterin!

01:12 – Wo sind wir hier und wer seid ihr beide?

02:46 – Daniel, du und Simon ihr seid die Gründer. Wie habt ihr euch damals kennengelernt. Was war eure Motivation und warum ging das Ganze so schnell bei Euch?

07:50 – Was war damals eure Strategie? Ihr hattet zu Beginn kein Geld, lediglich 50 Freunde und Bekannte mit denen ihr gestartet seid.

12:07 – Teresa, du bist nun seit fast einem Jahr Vorständin der Genossenschaft. Wie hast du das KK damals kennengelernt?

15:11 – Wie viele Mitarbeiter hat die Genossenschaft?

15:38 – Was versteht ihr im Kartoffelkombinat unter “fairen Löhnen”?

18:32 – Wie hoch sind eure jährlichen Gesamtkosten und gibt es eine Bieterrunde?

24:55 – Wie läuft die wöchentliche Gemüseroutine im KK ab?

26:00 – Wie viele Verteilpunkte habt ihr und wie funktioniert die Abholung der Ernteanteile?

29:54 – Wie viel Gemüse stammt aus eigenem Anbau?

31:22 – Wie seid ihr damals in den Gemüsebau gestartet?

34:36 – Nur 11 Solawi-Projekte, die sich bislang als Genossenschaft gegründet haben. Woran liegt das und habt ihr euren Entschluss je bereut?

38:42 – Wieviel Geld hat die KK-Gemeinschaft bislang in Grund und Boden bzw. in die betriebliche Infrastruktur investiert?

41:03 – Inwiefern ist das Thema Partizipation für euch wichtig?

49:13 – Aktuell läuft ein großer Leitbildprozess im Kartoffelkombinat. Wie ist da der aktuelle Stand?

53:34 – Das Kartoffelkombinat zählt bald 1800 wöchentliche Ernteanteile. Wie geht es danach weiter?

56:55 – Wie wichtig ist der Standort “München” für den Erfolg des Kartoffelkombinats?

57:54 – Das Kartoffelkombinat bezieht zu vielen politischen Themen Stellung. Was ist da euer Selbstverständnis? 

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören auf unserer Website. Außerdem auch auf Spotify und iTunes oder mit diesem RSS-Feed in jedem beliebigen Podcatcher!

Zusätzliche Infos/Medien/Highlights

Ein ganzes Kartoffelkombinat-Jahr in Bildern: Jahresrückblick 2018

Video (02:54) über das Kartoffelkombinat, gedreht anlässlich der GLS Bank Jahreshauptversammlung 2019.

Die beiden Gründer sind Quereinsteiger in der Landwirtschaft – während Simon als Betriebswirt zunächst einige Jahre als interkultureller Trainer und Indien-Experte tätig war, bringt Daniel als Kommunikationswirt eine Menge Marketing-Erfahrung mit. Sie lernen sich 2011 in der Münchner Nachhaltigkeitsszene kennen, sind damals Mitte dreißig und wollen beide sozialunternehmerisch tätig werden. Bereits wenige Monate später gründen sie gemeinsam mit den ersten Unterstützer*innen die Genossenschaft „Kartoffelkombinat“.

Heute besitzen über 2.200 Genoss*innen gemeinsam eine eigene Gärtnerei, 30 km westlich des Münchner Stadtzentrums. Von den 18 Hektar Anbaufläche sind 11 gepachtet und 7 gehören dem Kartoffelkombinat selbst – unter allen Solawi-Genossenschaften der größte Anteil an Eigenland! Hier baut das Gärtnerei-Team rund 65 verschiedene Kulturen nach Bio-Richtlinien an, zertifiziert von „Naturland“, als einzige unter den Genossenschaften. 30 Mitarbeiter*innen kümmern sich um das Kartoffelkombinat – die nötige Mitarbeit auf dem Feld, beim Kistenpacken und größeren Einkochaktionen ist für die Mitglieder komplett freiwillig. Von Januar bis Dezember landen die 1.800 fertig gepackten Ernteanteile, die es in zwei Größen gibt, wöchentlich bei ca. 150 Verteilpunkten im Großraum München. Ungefähr 70% des Kisteninhalts ist vom Kartoffelkombinat selbst angebaut, der Rest stammt von einer Handvoll langjährigen Partnerbetrieben, um für noch mehr Vielfalt und Stabilität zu sorgen. Faire Löhne, mit denen man sich auch ein Leben im teuren München leisten kann, sind der Genossenschaft wichtig – wenn auch noch nicht vollständig erreicht. Ebenso wichtig ist die Präsenz im Stadtleben: Das Kartoffelkombinat ist auf zahlreichen Festen und Veranstaltungen vertreten und in Bündnissen aktiv (z.B. Münchner Ernährungsrat, dem Netzwerk Klimaherbst oder München muss handeln). Vom gemeinnützigen Kartoffelkombinat – der Verein e.V. werden zahlreiche Workshops und Vorträge rund um Nachhaltigkeit organisiert, die offen für alle sind.

Am Anfang stand die Idee, ein neues Wirtschaftssystem zu üben und zu etablieren: gemeinschaftlich eine alternative Versorgungsstruktur mit Gemüse für München aufbauen. Ein bedeutender Meilenstein in dieser Mission war der Kauf der eigenen Gärtnerei 2017 – vollständig durch freiwillige Einlagenerhöhungen der Genoss*innen finanziert. Über die fünf Jahre davor hatte sich das Kartoffelkombinat in mehreren regionalen Bio-Betrieben eingemietet und mit weiteren Anbaupartnern kooperiert – und damit gezeigt, dass man prinzipiell auch völlig ohne eigene Flächen starten kann.

Der eigene Betrieb ist fast vollständig ausgelastet – in welcher Form das Kartoffelkombinat weiterwachsen wird, ist derzeit noch offen. Aber mit der Idee, genossenschaftliche Versorgungsstrukturen aufzubauen, hat das Kartoffelkombinat in den letzten Jahren auch schon andere Gründer*innen deutschlandweit inspiriert, wie beispielsweise Die Kooperative, PlantAge oder Biotop Oberland. Aus dieser Mission heraus wurde 2016 zusätzlich zur Genossenschaft der gemeinnützige Kartoffelkombinat-Verein gegründet, in dem Gründer Simon mittlerweile mit ganzer Kraft tätig ist, während Gründer Daniel nun mit Teresa Lukaschik der Genossenschaft vorsteht. Der Verein arbeitet mit derzeit drei festen und einigen freien Mitarbeiter*innen an verschiedensten Projekten – von Nachbarschaftsvernetzung und Nachhaltigkeits-Events über Transformationsforschung bis hin zu diesem Projekt – der Vernetzung und Verbreitung der Solawi-Genossenschaften.

Das Kartoffelkombinat hat 2012 den Nerv der Zeit getroffen. Und mit der perfekten Mischung aus Idealismus, solider betriebswirtschaftlicher Planung, großen Visionen und Bodenständigkeit ein Leuchtturmprojekt geschaffen!
0
Gründung
0
Ernteanteile
0 ha
Anbaufläche

Steckbrief

Stand: Q1/2020

SitzPostadresse: Daiserstr. 15 / Rgb., 81371 München
Gärtnerei: Spielberg 3, 82281 Egenhofen
Kontaktinfo@kartoffelkombinat.de / www.kartoffelkombinat.de
Gründungsjahr2012
Organe

Vorstand: (mindestens) 2, derzeit 2 Vorständ*innen plus Prokuristin, beschäftigt mit 1,7 Vollzeitäquivalenten.

Der Vorstand wird vom Aufsichtsrat für 3 Jahre bestellt.

Teamleiter-Meeting: alle zwei Wochen in der Gärnterei.

Navigationsteam: Die 2 Vorständ*innen, die Prokuristin und der Anbauleiter treffen sich monatlich um den Kurs des KK zu besprechen.

Team-Meeting: alle zwei Monate abwechselnd in München/Gärnterei.

Aufsichtsrat: mindestens 3, derzeit 4 Mitglieder.

Generalversammlung: Den Vorsitz führt der Vorsitzende des Aufsichtsrats.

Mitgliedschaft

1 Geschäftsanteil zu 150,- €, der Vorstand kann die Einzahlung in monatlichen Raten á 50 € zulassen.

Nicht nutzende Mitglieder können investierende Mitglieder werden.

6 Monate Kündigungsfrist zum Ende des Geschäftsjahres, Mindestkapital 95% der Geschäftsguthaben

SatzungSatzung
PrüfungsverbandPrüfungsverband Hamburg – Prüfungsverband der Deutschen Verkehrs-, Dienstleistungs- und Konsumgenos­senschaften e.V.
Mitglieder mit Ernteanteilen1709
Optimale Grösse1800 in 2020
Mitarbeiter*innen

Ca. 30 Mitarbeiter mit einem Artbeitsvolumen von ca. 18 Vollzeitäquivalenten, davon ca.

9 im Gemüsebau,

6 in der Logistik (Packen und Ausliefern),

3 im Organisation und Kommunikation.

Betriebszweige, Betriebsstätten und Beteiligungen

Gemüsebau, Ackerbau (Kartoffeln).

Ab 2021 auch Obstbau.

Anbauflächen

18 ha, davon

7,0 ha im Eigentum und 11 ha in Pacht,

0,25 ha im geschützten Anbau, 5,5 ha Freilandgemüse, 2 ha Kartoffeln, 7 ha Gründüngung.

Ab 2021 zusätzlich 2-3 ha Apfelgarten mit ca 5000 Bäumen.

Anbau

Naturland zertifiziert,

ohne Jungpflanzenaufzucht,

>40 Kulturen mit 50-60 Sorten, davon 65% samenfest.

VersorgungszeitraumGanzjährig, 50 Lieferwochen. Das Abo besteht aus 46 Ernteanteilen. Mit 4 “Jokern” können die lieferfreien Wochen gewählt werden.
ErzeugnisseGemüse
Ab 2021 auch Äpfel und  Saft
Ergänzungen

Einzelne Gemüsekulturen, Äpfel von Partnerbetrieben.

Zukauf unter 30% des Gesamtumsatzes.

Größen und Auswahl

2 Größen, klein und normal, in vorgepackten Kisten.

Brotbestellung und Apfelsaftbestellung zusätzlich auf Rechnung.

Kosten68,- € plus aktuell noch 7 € “Aufbauzulage Betriebskauf” pro Monat
Verteilung11 Touren mit 3 Transportern und 1 Kühlanhänger innerhalb von 4 Tagen zu ca. 130 Abholstationen (Verteilpunkten).
Testphase6 Wochen ab geplanten, festgelegten Zeitpunkten
Kommunikation

Wöchentlicher Rundbrief als Kartoffeldruck mit Rezepten in der Ernteanteilkiste, Infos über website, soziale Medien und Forum.

Infoabende zu KK, Hofführungen, Hoffest, Kartoffelkino, monatliche Kartoffelakademie und andere Veranstaltungen über e.V.

Mitmachen

Wöchentliches Mitgärtnern in der Saison am Sonntag Vormittag, Einkochaktionen für Sugo, Apfelmus, Würzl.

Jährliche Zufriedenheitsbefragung.

SolidaritätSoli-Kiste mit freiwilligem Beitrag von 5% zur Finanzierung sozialer Ernteanteile (keine Bietrunde).
Aktuell größte HerausforderungenWechsel im Vorstand, Leitbildprozess, Aufbau weiterer Betriebsstätten